Jean-Paul Schmitz

  

Johanna Ey

Briefe


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Herrn

J.P.Schmilz

Berlin W 15

Ludwigkirchplatz Nr. 7

Düsseldorf d. 3. April 1936

 

 

Mein lieber, lieber Krause!

 

Zuerst noch mal vielen Dank für Deine Glückwunschkarte.

Ich wollte Dir sofort schreiben, doch es bleibt ja immer

bei dem Wollen. Jacobo Sureda war in den letzten zwei

Jahren in einem amerikanischen-spanischen Sanatorium bei

Madrid. Seine innere Organe waren auch krank und wie er

sah, daß keine Rettung mehr da war, ließ er sich nach

Genova bringen, um das letzte zu versuchen, eine Operation

und da ist er drin geblieben. Einige Stunden vor seinem

Tode schrieb er mir am 6. Juni 1935» am 7ten ist er ge-

storben und Elinor schickte mir am 8ten Juni mit ein paar

trostlosen V/orten seine letzten Grüße. Jetzt vor 3 Jahren

war ich da, da lag er in Montzerry bei Barcelona; ich

wollte ihn überraschen und wußte nicht, daß er im Sana-

torium lag; ich schrieb ihm, da kam er 2 Tage nach meiner

Ankunft in Palma und holte mich mit seinem Wagen nach

Genova und legte sich ändern Tages zu Bett. Genau nach

8 Tagen er wieder zurück nach seinem Sanatorium und ich

habe ihn dann zum letzten Male gesehen. Er sagte mir damals,

ich habe höchstens noch 2 bis 2 1/2 Jahre zu leben. Ich habe

keine Angst vor dem Sterben, doch ich möchte einmal noch

für 1 Jahr gesund sein.

Hier in Düsseldorf ist noch immer dasselbe. Bei mir wird

es immer noch erbärmlicher, so daß ich nicht weiß, was

anfangen. Pudlich war soeben hier und hat 5 Bilder bei

Vömel verkauft, keine große, und die Carnegie-Gesellschaft

hat ihn eingeladen in Pittsburg auszustellen. In Essen,

nicht in Düsseldorf ist die Ausstellung von der Westfront,

sowie Düsseldorf eigentlich doch etwas rückständig gewor-

den ist. Hans Busch ist jetzt wieder Mitarbeiter von

Herrn Likmeyer und Beckmann macht sich ja auch bemerkbar,

er bekommt Preise und Aufträge und wird wohl bald heiraten,

da seine Braut aus Hamburg ja auch Anstellung hat.

V/o steckt Willy Werth eigentlich? Ich habe ihn seit 1927

einmal gesehen. Bob Visser, der holländer Maler ich weiß

nicht ob Du ihn kennst, geht nach Madrid seine Frau und

Töchterchen nach Hamburg zu ihren Eltern. Das Geld scheint

bei ihm knapp geworden zu sein. Wie geht es Dir, ich hoffe

ganz bestimmt, daß Du mich einmal besuchst, wenn Du

hierhin kommst, ebenso lade ich Deine Frau herzlichst ein

und grüße sie freundlichst von mir; es hat mich überrascht,

daß Du Feigler getroffen hast, aus dem wird man auch nicht

klug.

Grüße und alles alles Gute von Deiner

alten Ey

 


Pintor

Jean Paul Schmilz

Roma

Viale Villa Massimo

Academia Tedesca

Sonntag d. 28.2.1937

 

 

Mein lieber lieber Krause!

 

Wenn Du diesen Brief auch einen oder zwei Tage früher er-

hältst, so soll mein Glückwunsch zu Deinem Geburtstage am

nächsten Donnerstag um so herzlicher sein. Es ist doch

unser gemeinsamer Geburtstag, Ich denke noch so oft an die

Tage, wo Du morgens mit ein paar Brödchen bei mir Kaffee

trankst. Für viele Künstler ist ja das Leben besser ge-

worden, doch die schönen gemeinsamen Stunden mit netten,

anständigen und geistreichen Menschen kommen für mich nie

mehr wieder. Ein Wort ist die Wahrheit "Die Erinnerung,

auch die Hoffnung ist das Paradies für einsame Menschen

und dazu gehöre ich. Na stark im Willen bin ich ja noch

und unterkriegen ist ganz ausgeschlossen, ich lebe weiter

und bin jetzt wieder gesund. Ich habe "Herzverfettung"

trotz meines armseligen Lebens und mein Wunsch ist noch

immer "reisen". Alte und neue Bekannte besuchen mich doch

noch und eine meiner Bekannten, die in München Ärztepraxis

jetzt haben, wollen in 2-5 Jahren bei Rom in der Champange

sich ein kleines Haus bauen lassen, 2 große Räume - und wenn

ich noch etwas lebe, werde ich als erster Gast dort wohnen.

Nach München wo ich noch nicht war komme ich auch diesen

Sommer. Nun etwas anderes: Josef Pieper hat den Staats-

preis bekommen und wird ab Oktober die Akademia de Teska

besuchen. B.H.Hundt hat vor, sich anzuschließen. Pieper

hat ja bekanntlich schon einige Preise bekommen und hat

Bankconto. Also: Ich freute mich ja sehr wenn ich mal einen

Brief von Dir bekäme. Deine Frau ist ja sicher auch dort

bei Dir. Ich bitte sie freundlichst von mir zu grüßen.

Wie denke ich so oft an den guten Jacobo. Ich kann ihn

nicht vergessen, er war einer von meinen liebsten Freunden.

Jetzt soll ja eine große Ausstellung hier steigen und der

Fremdenverkehr wird groß sein. Es ist schade, daß ich

nicht in der Altstadt wohne. Ruhe kann ich nicht auf die

Dauer vertragen.

Pankok war vorige Woche hier, ein Buch die "Passion" ist

verboten und wirtschaftlich wird er sehr geschädigt.

Nochmals lieber lieber alter Freund alles Gute für Dich

und Deine Frau und vergiß nicht ganz Deine alte Ey

 


Pintor

J. Paul Schmilz

Olevano - Romano

Italien

Düsseldorf d. 3. 3. 1938

 

 

Mein lieber Krause!

 

Da jetzt bald unser beider Geburtstag heranrückt denke ich

Dir eine kleine Freude zu machen, wenn ich an Dich denke

und Dir alles Gute für Dein Leben wünschen möchte. Du bist

ja wenigstens alle Sorgen etwas los, die meinen begleiten

mich wohl bis ich in der Erde liege. Früher hatte ich ja

mal viel, mal weniger Geld ich war immer zufrieden und

nahm das Leben wie es kam. Doch heute muß ich sagen bin ich

fast mutlos, weil ich doch des Kampfes um mein bißchen

Leben mal müde werde. Doch ich stemme mich weiter gegen

Alles das, was mich drückt; die schönen Erinnerungen und

meine schönen Reisen bleiben mir. Nehmt doch beide das

Leben wie es kommt, was ihr weg habt, kann Euch keiner

nehmen. Wie schön muß es dort sein. Ich denke ja immer und

immer wieder an Jacobo und an alle die alten Freunde. Sie

alle sind für mich der Inbegriff meines Lebens geworden.

Ich bin gerade am Schreiben, komisch, da liegt

unter der Tür ( es klingelte ) ein Brief von Dir und

Dr. Bau aus Hamburg u. Frau. Dein Brief schnell aufgemacht

und wie immer, denkst auch an die alte EY, ach wie ich

mich freute, die Spanien-Erinnerungen und wie Du schreibst.

Abends beim Feuer, Morgens im Meere und Abends in der

Fonda in El Arenal, wo der Bahnhofsvorsteher und die ein-

fachen Leute sich freuten, wenn sie uns sahen und die Wirtin

ihren Nationaltanz aufführte. Abends schlief ich in einem

zweiten Nebenraum von Ullrich Leman auf einem hohen Bett,

welches auf einem Dreigestell ruhte, wo ich auf einem Stuhl

und noch mal eine Stufe hoch mußte, um ins Bett zu

kommen und ich immer Angst hatte, unter der Bettschwere

zusammenzufallen, bis ich nach 1 oder 2 Tagen glücklich

war, wenn Sureda mich wieder zurückholte, um nach einigen

 

Tagen wieder zu verschwinden; dann fuhr ich nach Genovä

zu Jupp Bell, o wie schön war es damals schon in den alten

Jahren für mich. Ich war glücklich bei meinen jungen lieben

Freunden, die mich Alte doch alle so sehr verehrten.

Und jetzt ------? Ach schweigen wir darüber. Morgen am

4. März wird wohl Pudlich für einen Moment hereinkommen

bringen mir ein Bildchen, doch dies ist mir kein Ersatz

für alte Freundschaft und Anhänglichkeit. Es ist aber gut

so. Mir machte es besonders Freude, wie mich Weihnachten

Schumacher-Salig begrüßte er wollte dieses Frühjahr zur

Ausstellung nach Paris. Macketanz besucht mich schon mal.

Fastnachten war jeden Tag drei Wochen hier etwas los, ich

hatte drei Einladungen "zum Karl" eine Künstlerkneipe,

Wo es Freitags immer Betrieb ist, doch ich bin auch noch

keinen Schritt gegangen, um jemand zu sehen; ja lieber

Krause, ich bin alt geworden. Heute war jemand bei mir,

der die Tage nach Italien für 2 Monate fährt, er wartet

auf die Devisen. Frau Dr. Bau ist gestern Abend nach Dal-

matien gefahren, Dr. Bau bleibt in Hamburg, er läßt seine

Praxis noch nicht gerne allein, zudem muß die Wärterin

mit dem kleinen Kinde zu Hause bleiben, der kleine Bau ist

erst 7 oder 8 Monate, doch ein feines Kerlchen.

Ist bei Euch noch keine Hoffnung??? Na Na Pitter Jansen war

vor einem halben Jahr in Amerika ist aber nach einigen

Monaten zurückgekommen und in Paris geblieben. Seine Frau

hatte ihn dort besucht. Von Werth habe ich seit der Spanien-

reise nicht gesehen, halt doch einmal am Bahnhof; er

interessiert mich auch weiter nicht. Joseph Pieper soll in

Italien sein, auch Werner Gilles. Manne Hundt will auch mal

fort, ich weiß noch nicht wohin. Ich schreibe Dir in kurzer

Zeit bestimmt einmal wieder, ich gehe bald auch einmal bei

meinen Bekannten, dann höre ich sicher mal wieder etwas

Interessantes und freue mich, wenn ich Dir wieder einmal

aus der Heimat etwas berichten kann. Heimat ist Heimat,

doch man weiß es nur, wenn man weit weg ist. Stimmt dieses

nicht, lieber guter Krause, grüße Deine Frau herzlichst

von mir und Dich

wenn auch mit schwerem Herzen.

Deine alte Ey

 


Herrn

Maler J.P. Schmitz (Krause)

Berlin W. 15

Ludwigkirchplatz 7

Montag d. 2. Dez. 1940

 

 

M. l. Krause!

 

Wie habe ich mich über Deine Karte gefreut! Daß Bastian

dort war und Grüße mitschickte, war die Freude doppelt.

Er gehört ja auch mit in den Klub Hindenburgwall und es

waren für Euch alle fruchtbringende und anregende Stunden,

wenn auch viel Quatsch dabei war; doch dieser gehört ja bei

allen geistreichen Menschen; es sind wirklichfür mich Fest-

tage, wenn ich den einen oder ändern mal wiedersehe.

Dr. Bau aus Hamburg, ehemaliger Student an den städt.

Krankenanstalten und seine Frau, die Kinderärztin ist,

werden mich auch in acht Tagen besuchen. Dann erinnerst

Du Dich noch eines Herrn F. Wohltat, der auf dem Hinden-

burgwall Sonntags Morgens mich immer besuchte. Er war

Bankmensch, ging für 2 Jahre nach Amerika gerade zu der

Zeit, wo wir nach Mallorca fuhren und gab mir 5 Scheine

jedes ein amerikanisches Phundt also etwas über 60 Mark

für Zehrgeld unterwegs; ich schrieb ihm von Spanien nach

Amerika, ich bekam verschiedene Ansichten von New-York,

dann kam er bei A. H. unter

nach Berlin an der Reichsregierung für ..... und Felle.

Von da schrieb er mir noch einen Brief nach dem Hindenburg-

wall und vor kurzer Zeit stand hier in den Nachrichten mit

Bild, daß er Kommissar bei der Niederländischen Bank in

Amsterdam ist. Ich habe mich so sehr darüber gefreut, daß

ich nach einigen Tagen ein kleines Kärtchen im Couvert ihm

schickte mit folgendem Inhalt: Sehr geehrter Herr Wohlthat!

Ich freue mich in den Düsseldorfer Nachrichten ihr Bild zu

finden und freue mich über Ihre Beförderung.

Ergebenst grüßt Frau Ey vom Hindenburgwall, jetzt Stockkamp-

str. 40

Nach 4 Tagen kam aus "Den Haag"ein Antwortschreiben:

Sehr verehrte Frau Ey

Ihr Gruß von 8. Juni d.J. hat mich außerordentlich erfreut,

Ich hoffe, daß Sie sich wohlbefinden, sende Ihnen die

herzlichsten Grüße und bleibe

Ihr H. Wohlthat

 

Sa siehst Du l. Krause, je höher der Titel, desto einfacher

und netter sind die Menschen, er war im Weltkriege Haupt-

mann und Max Ernst war ein Künstler bei ihm. Er sah damals

Bilder von Max Ernst im Fenster und dadurch kam er in den

Laden und freute sich immer, wenn ich von den Künstlern

redete. So teilt sich das Ende meines Lehens noch immer in

Freude und Überraschungen und die halten mich wirklich noch

immer aufrecht. Daß ich sehr krank war blieb ja auf die Dauer

nicht aus. Die Nerven versagten manchmal. Na es wird schon

weiter gehen. In der Zeitung sah ich dieser Tage die Todes-

anzeige von Heinrich Nauen, der ist auch seelisch zu Grunde

gegangen, dann die Frau von Perfall, im Tode heißt es immer

Meine innigstgeliebte Erau, dabei hat dieser Lümmel jeden

Tag eine Freundin im Atelier. Das sind die Richtigen.

So mein I.Krause nun möchte ich so gern doch mal ein Foto

von Deiner Erau haben, ich kann mich leider nicht erinnern,

ihr habt doch sicher Aufnahmen in Italien oder Griechenland

gemacht. Bitte mach mir die Freude. Nun weiß ich wirklich

nichts mehr, ich erlebe hier ja nichts und dieses sind

so Kleinigkeiten die Dich sicher auch Freude machen, d.h.

nicht die Todesanzeigen. Otto Pankok schickte mir eine

Todesanzeige von seinem alten Herrn, den ich ja früher

auch schon mal öfter besucht habe. Also grüße alle die,

die ich kenne und die Du wiedersiehst in Berlin vor allem

Hans Busch der auch wirklich einer von den anständigsten

ist; und dann vergiß nicht Deine Frau und Du besonders von

Deiner alten Ey

 


Herrn Maler

I. P. Schmilz

Wieladingen-Friedborn

über Säckingen / Oberrhein

Düsseldorf den 19. April 1941

 

 

Mein lieber Krause!

 

Ich habe mich sehr gefreut, heute Morgen den kurzen Brief

zu erhalten mit Deiner neuen Adresse. Ja Du hast recht,

am Geburtstage habe ich den ganzen Tag an Dich gedacht,

doch weiß der Kukuk, ich bin ewig krank, es sind die Nerven

und bin nur gesund, wenn ich jemand um mich habe. Hier

verliert sich selten ein Mensch und ich bin auch noch nie

zufrieden hier Stockkampstraße gewesen. Ich bin sicher sehr

bescheiden wenn es sein muß, kann das Geld aber auch los-

werden, wenn ich es habe, doch ein bescheidenes Unterkom-

men in der Altstadt wäre ich glücklich, doch das Umziehen

mit all diesem Plunder bin ich auch nicht mehr gewachsen.

Ja das frühere Leben war für mich ein Paradies und jetzt

bin ich wie Adam und Eva ausgewiesen, trotzdem ich nicht

gesündigt habe; es bleibt mir nur die Erinnerung.

Wie schön, wenn Du Morgens Brödchen einholtest und der gute

Kaffee stand fertig mit den nötigen Cigaretten, später

kamen die anderen Freunde, Mittags Willy Werth mit seinem

Nasenbohren u.s.w. Ich glaube alle alle erinnern sich noch

der Zeiten - K.Kyser - Wollheim —Heckroth - Hundt - Pankok

sprach vor einigen Wochen, wie er mich besuchte, er kommt

vielleicht zweimal im Jahr, Ey die schönsten und frucht-

barsten Zeiten für alle Maler waren unstreitig am Hinden-

burgwall und Du kannst sicher sein, lieber Krause, sie werden

unvergeßlich bleiben für alle. Heinz Wever, der Einzige der

immer schreibt, ist von Frankreich im Weitermarsch nach Ser-

bien, er ist Oberleutnant und wird demnächst Hauptmann,

Pieper und Pudlich sind anscheinend die Favoriten, die

Ausstellungen überall im Osten machen und die noch nicht

zum Akademie-Prof. kommen können. Prof. Nauen und Prof. Dr.

Albrecht, früher Akademie auch abgebaut waren sind vor 14

Tagen gestorben. Stocke's Mutter ist auch vor einigen Monaten

begraben worden. Hundt malt im Sauerland andauernd Portrait

wie ich hörte. Die Flieger besuchen uns sehr fleißig hier:

ich bleibe im Bett, höre schießen und Bomben fallen und schlafe

wieder ein. Alles wird man gewohnt, sagt der Fuchs, da

zogen sie ihm das Fell über die Ohren; alles geht seinen

Weg. Du hast schöne Reisen hinter Dir mit Deiner Frau,

lieber Krause und darüber sei froh. Was Du weg hast, kann

Dir keiner nehmen; auch meine Spanien- und Pariser Reise

sind meine gute Erinnerungen, wie glücklich, daß ich mir

dieselben damals nahm. Was ich in Zukunft aber meine

Pläne sind, schreibe ich Dir im nächsten Briefe, nur eins

plagt mich, daß ich mich nicht mehr so gut fortbewegen

kann! Ischias im Rücken und in den Hüften, schlimm ist es.

Grüße herzlich Deine Gattin, die ich jetzt auch im Foto

habe, doch lieber sehe ich sie bald selbst; sie kommt doch

auch sicher einmal nach Düsseldorf und dann erwarte ich.

sie auch selber mal zu sehen.

Ich bleibe lieber Krause wie immer

Deine alte Ey

 


Herrn Abs. Ey

J. P. Schmilz z. Z. Lübeck

Friedborn über Säckingen bei Schneider

Oberrhein Johannisstr. 42

Poststempel: 8.11.41

 

 

M. l. J. P. Schmilz.

 

Ich war sehr krank und bin bis am 17. d. Mts. hier in

Lübeck. Wenn ich in Düsseldorf bin, schreibe ich langen

Brief. Deine Frau grüße ich auch herzlichst. Curt Beckmann

liegt hier in Lübeck bei den Soldaten. Ich habe ihm

Deine Adresse gegeben, hoffentlich schreibt er Dir.

Ich grüße Dich und Deine Frau herzlichst

Ey

 

 

An den Maler

Jean Paul Schmilz

Wieladingen

(Hochrhein)

über Säckingen

Poststempel: 31.12.42

 

 

M. l. guter Jean Paul Krause!

 

Herzlichst Dir und Deiner Frau alles Gute u. Liebe für das

Jahr 1942. Deine Karte aus Pfirt hat mich sehr gefreut.

Seid Ihr Beide noch in Wieladingen? Schreibe Deine genaue

Adr. und ich schreibe Dir langen Brief.

Deine alte Ey

 


Herrn J.P. Schmitz Abs. Ey b. Schneider

Lehrgang Schlucht in Reinbek

Post Stossweier D. Hamburg - Reinbek

(Elsass) Hamburgerstr. 41

 

Reinbek b. Hamburg, Hamburgerstr. 41, 8.8. 43

 

 

Mein lieber Krause!

 

Deinen Brief erhielt ich gestern und stelle fest, daß der

Angriff auf Düsseldorf nicht am 10. auf 11. Juni, sondern

von Freitags auf Samstag also vom 11. auf 12. Juni Nachts

um 1 Uhr stattfand. Nun ein weiterer Bericht von Hamburg.

Auf Hamburg war früher schon einige Bombenabwürfe, doch

der Großangriff auf Hamburg setzte am 24. auf 25. Juli

Nachts um 1 Uhr ein, dauerte 2 Stunden, andern Tags gegen

Mittag auf Altona, dann am Montag wieder auf Hamburg und

Mittwochs wieder auf Hamburg und vergangenen Sonntag der

letzte 5te Angriff auf Hamburg. Hamburg ist wie Düsseldorf

nur noch ein Trümmerhaufen. Dr. Bau aus Hamburg war vor dem

letzten Hauptangriff, also nach dem 4ten Angriff hier,

er hatte in Bergedorf zu tun; ihm standen die Tränen in

Augen, es sei unbeschreiblich dort. Eine Millionenstadt,

die 3t größte im Reich 5mal so groß wie Düsseldorf.

Die zigtausende von Leichen sind sofort in Massengräbern

zu bestatten, über den Straßen lagen sie mehr wie auf dem

Schlachtfelde, wurden auf Wagen geladen und abtransportiert,

ohne daß gefragt wurde, wer es sei, weil bei der übergroßen

Hitze Seuchengefahr bestand. Hamburg ohne Wasser und Licht.

Hier nach Reinbek setzte eine Karawane von Obdachlosen ein,

die hier nach diesen 4 ersten Schreckensnächten flohen und

wurden hier verpflegt und geborgen in einem Krankenhause

hier, in Scheunen, in Ställen bei Privatleuten und überall,

wo sich Platz fand. Bei dem letzten Angriff, wo hier in

Reinbek auch eine Bombe fiel, nahmen sehr viele wieder

Reisaus nach dem Lübecker und Holsteiner Gegend, von Ham-

burg kamen in den ersten Tagen tausende Wagen mit Obdach-

losen und geborgenes Bettzeug, Kinderwagen, Leiterwagen,

Schiebkarren mit müden und Leid auf den Gesichtern stehenden

Frauen und Kindern, Eine Frau, die hier ankam, hatte noch

ein todtes Kind im Arm; ein Mann, den ich sprach kam müde

und gebückt und seine Frau und beiden Kinder waren nicht mehr

aus dem Keller gekommen. So kann man tausende hören, es ist

dasselbe wie in Düsseldorf, nur in größeren Formen,

selbst Soldaten, die vor dem Feind gestanden haben,

sagen, hier die Bevölkerung macht mehr durch. Daß ich

nun nichts von Werth gehört habe, ist zu begreifen, denn

er hat mir, seit der Spanienreise nie mehr geschrieben

somit interessiert es mich wenig, daß ich es Dir schreiben

muß. Manne Hundt hat in Mülheim a. d. Ruhr sein Haus verloren,

sein Atelier in Düsseldorf ist beschädigt, seine Mutter

ist vergangenes Jahr gestorben, sie wurde 85 Jahre alt

und er selbst lebt in

"Herscheid b. Klettenberg

Wäsche No. 1 H. B. Hundt

Robert Pudlich verlor auch in Düsseldorf alles, bei den

ersten Angriffen sein Atelier, er lebt mit Ma in Vömels

Besitztum und verlor bei dem Hauptangriff auf Düsseldorf

sein ganzes Werk über 500 Zeichnungen, Aquarelle und Bilder,

die er bei Vömel im Keller hatte. Die ganze Königsallee

in Düsseldorf ist doch auch weg. Pudlichs Adresse ist

R. Pudlich

Schloß Liberny

über Eupen

Karl Kyser schreibt mir noch immer, ich bin doch seine

alte Liebe, der arme Kerl ist augenblicklich in einem

Krankenhause zur Beobachtung seines Gehirns! In den ersten

Tagen erwarte ich einen Brief von ihm. Er hat eine liebe

Frau, die für ihn sorgt und ein entzückendes Kind Eva,

die Ostern mit zur ersten Kommunion ging, er ist ganz

glücklich über das Kind; der beste Schauspieler von der

Louise Dumont, alle haben ein tragisches Geschick.

Sind wir nicht alle Figuren im Theater des Lebens. Schreibe

ihm doch einmal einen netten Brief, erwähne nichts von

seiner Krankheit und schreibe ihm. Du hättest von mir die

Adresse.

Karl Kyser

Wien

Werderthorgasse 17

Dann daß Heinz Tapper vor 1 1/2 Jahren gestorben ist,

hatte ich Dir ja wohl geschrieben und Peter Ludwig ist

auch vor 2 Monaten gestorben.

So mein Lieber nun weißt Du im Augenblicke wieder alles,

es fällt mir im Augenblicke nichts mehr ein, Du kannst

mir öfter mal schreiben, es braucht ja nicht immer am

4ten März zu sein. Übrigens hoffe ich dann meinen

SOsten Geburtstage noch zu erleben, doch nicht im Kriegs-

jahre, der dann wohl zu Ende sein wird. Ich möchte doch

gerne meine alte Heimat wiedersehen.

Mein lieber Krause, bleibe gesund und hoffen wir das Beste.

Du bist im schönsten Mannesalter und kannst wieder anfangen,

es wird wohl auch mal wieder anders und nochmals, hoffen

wir auf ein gutes Ende des Krieges bald.

Deine alte Ey

 


Herrn Maler Abs. Fr. Johanna Ey

Jean P. Schmitz b. Schneider

Leimen No.32 Reinbek b. Hamburg

Ober-Elsaß Hamburgerstr. 41

 

Reinbek b. Hamburg d. 14. 12. 43

 

 

Mein lieber Krause!

 

Gestern Montag überraschte mich Dein Geldgeschenk und daß

ich Dir herzlich danke, tue ich gerne, weil ich von der Stadt

Düsseldorf bis jetzt noch nichts bekommen habe, vielleicht

überrascht die mich auch vor Weihnachten, Ich habe an die

Bildstelle für Düsseldorf geschrieben, die soll ein Dr.

Liesegang haben', ein Sohn von dem Maler Prof. Liesegang.

Der Dr. Liesegang kennt mich von früher und war während

der großen Ausstellung 1924 verschiedene Male bei mir auf

dem Hindenburgwall mit den verschiedenen Professoren und

dem Direktor von der Universität Münster, die sich sehr

für das Wollheimbild interessierten. „Ein Stück Festland

verläßt unter wehender Flagge den Raum von Omega" ein

Krankenbildniß unsteter Krankheit u.s.w.. Der Universitäts-

professor meinte, es solle in Schulen als Abstoßigkeit

und Warnung den höheren Schülern gezeigt werden und die

Stadt Düsseldorf beschlagnahmte dasselbe, daß es nicht

300000 gesitteten Jünglingen gezeigt wurde oder die es

nicht sehen durften, es war doch damals eine aufregende,

unvergeßliche und lehrreiche Zeit auf dem Hindenburgwall.

Gebe Gott, ich könnte sie noch einmal erleben.

Sei froh, daß Du auch mit Deiner Frau schöne Reisen

gemacht hast, was Du fort hast, hast Du erlebt, das

schöne Spanien, das unkultivierte, urwüchsige und dazu

Jacobo, der tolle Spanier, Gott gebe ihm die Seligkeit,

er war ein feiner Kerl, überkultivirt und gut; dann G. Woll-

heim - Bell und alee sollen todt sein und wir sollen sie

nicht mehr sehen? Mir wird es sehr weh ums Herz, wenn ich

daran denke, keinen soll ich wiedersehen. Von Karl Kyser

erhielt ich heute wieder einen Brief, er ist ein armer

lieber Kerl, ein großer Schauspieler und heute schrieb

er mir ein paar Zeilen, daß seine Hände ihm sehr schmerzen

und bittet mich in jedem Brief, ihm doch immer wieder von

den Malern zu schreiben; er korrespondiert immer noch mit

Otto Pankok, nach Schmitz fragt er immer wieder.

Magst Du ihm nicht mal schreiben: K. Kyser Wien I, Werder-

torgasse 17, II. Stock; er ist doch ein armer Kerl, der

auch nicht dafür kann.

Sag mein l. Krause, ist dies Deine Adresse von Deinem

Hause oder wo steckst Du? Grüße Deine gute Ehefrau und

Tochter Beate, ich freue mich auch, daß sie zufriedener

in ihrem neuen Heim sind. Ja Du Guter, bald werde ich 80

und Du 40 Jahre, ich werde bei Zeiten daran denken und

wenn wir Frieden hätten und noch gesund sind, wäre ich

glücklich; ich bin ja hier bei Maria gut aufgehoben,

doch "nach der Heimat möcht ich wieder" und mal wieder

alle wiedersehen.

Gute gesunde Weihnachten, kommt gut ins neue Jahr und

dann sehen wir uns auch mal wieder.

Herzlich bin ich immer und nochmals dankt

Eure alte Ey

( die verdammte Feder) das Papier ist

so schlecht.

 


Herrn Abs. Ey bei Schneider

Jean Paul Schmilz Reinbek b. Hamburg

Grenzaufsichtsstelle Hamburgerstr. 41

Oberlarg

bei Pfirt

Ober-Elsaß

 

Reinbek d. 19. Februar 1944

 

 

M. l. lieber Krause!

 

Um das dieser Brief wirklich zeitig bei Dir ankommt,

fange ich heute an, Dir au Deinem 40. Geburtstage am

4. März meine herzlichsten und besten Wünsche für Dein

späteres Leben darzubringen. Ich wünsche Dir, mein bester

Freund, was Du alles Dir am liebsten wünschest, zuerst

mal, daß Du Deinen 8O.sten Geburtstage, den ich hoffe

zu erleben, ein besserer Wille und Lust hast, also alles

Liebe und Gute für Dich und die Deinen. Ja was soll ich

Dir schreiben hier von Reinbek; ich sitze hier den gan-

zen Tag auf meinem Zimmer und erlebe nichts. Schwere

Tage sind dies für mich in meinem Alter. Mir wird immer

gesagt, ich solle doch froh sein, daß ich es in meinem

Alter noch so gut hätte; es stimmt ja, doch wenn ich

mich innerlich so darnach sehne, alle meine alten Be-

kannte und Freunde noch mal zu sehen oder doch bald mal

wieder zu sehen, so ist dies doch eine natürliche Wunsch

und man denkt und denkt, was gewesen ist und war und an

alle die guten Menschen und Freunde denkt dann wird es

einer alten Frau doch schwer, sich in allem zu fügen,

doch das Muß ist ja eine harte Nuß. Ich war ein paar

Tage krank, erkältet. Husten und hatte keine Courage

mehr, doch jetzt scheint die Sonne wieder, es wechselt

eben alles. Bis jetzt läuft meine Sache am Kriegsschaden

auch noch immer und heute Morgen bekam ich einen Brief von

meinem Hauswirt, Stockkampstr., daß noch immer nichts

ausbezahlt wird. Wenn ich es nicht so nötig hätte, möchte

ich etwas sagen, wie "Götz von Berlichingen", man muß ja

wie ein Bettler fast bitten, Stadtbeamten, Du weißt ja,

wie ich die ins Herz geschlossen habe, wenn ich schon

den Namen Stadt oder Staatsbeamter höre, wird es mir übel,

doch je höher der Beamte ist, desto feinere Kerls sind

darunter, nur bekommt man jetzt als Bombengeschädigte

nicht damit zu tun. Was hatte ich doch früher feine Menschen

bei mir und jetzt hat man alles eingebüßt, steht man als

Bittsteller da und als Bettler, oh wäre ich doch noch 25

Jahre jünger, wie gehörte mir noch die Welt.

Lisbet aus Düsseldorf schreibt auch immer so trostlos und

wünscht immer, ach wärest Du noch in Düsseldorf, jetzt

weiß ich erst, ein zu Hause zu haben; doch wir können alle

nichts daran ändern. Von den Künstlern höre ich wenig.

Manne Hundt hat sich wieder verheiratet mit einer

20 jährigen Fabrikantentochter aus Pierscheid, ich glaube

ich schrieb es Dir schon mal, er ist sehr viel mit Haupt-

mann Heinrich Wevers zusammen, der wegen Reuma's jetzt

auch in Herscheid ist, die Einzigen unter den vielen, die

mir noch schreiben, auch Hans Busch, der an der Front ist

und Curt Beckmann, der in Niendorf bei Hamburg wohnt, seine

Frau ist ja jetzt dort Ärztin; dann Dr. Bau's schreiben

mir auch noch, seine Praxis in Altona ist abgebrannt und

jetzt ist er in Russland an der Front, Arzte brauchen sie

ja jetzt dort überall. Na jetzt Schluß mit Schreiben,

nach meinem Geburtstag schreibe ich Dir ausführlich.

Alles Liebe und Gute für Alle und Dich besonders von Deiner

alten Freundin

Johanna Ey

 


Herrn Kunstmaler Johanna Ey

Jean Paul Schmilz Düsseldorf

Schwörstadt a. Oberrhein Flingerstr. 10-12

 

Düsseldorf d. 14. März 1947

 

 

Mein lieber Jean Paul

 

oder am liebsten Krause!

Ja Du lieber treuer Freund, Du hast lange warten müssen,

ich wäre beinahe zu St. Petrus empor gestiegen, doch der

hat vergebens gewartet. Ich hatte vor Weihnachten die

Pankok Ausstellung und die franz. Ausstellung besucht

und habe mir eine Grippe dort geholt, so daß jeden Tag

Dr. Marzahn kommen mußte und jetzt bin ich wieder da.

Zu meinem Geburtstage war ich so weit, daß ich nicht

anders konnte, als Besuche annehmen. Die Stadt hat sich

besonders nobel gezeigt. Außer einer Ehrenrente, so lange

ich lebe bekam ich so viele Besuche, daß meine kl. Woh-

nung, aus 1 Zimmer bestehend u. Maria's Zimmer die Gäste

alle kaum sitzen konnten. Das Schönste war die Rheinbahn -

Kapelle 18 Musiker spielten vor der Hausthür "Das ist der

Tag des Herrn“. Die "Elektrischen Bahnen konnten nicht

mehr fahren und im Augenblicke staute hatten sich tausende

vor der Haustüre aufgestellt. Wie die Altstädter sind,

waren fast alle am Weinen; dann wurde eine große Rede

gehalten von dem Vorsteher der Rheinbahngesellschaft,

dann das Lied vom "alten Schloßturm" und alle alle schun-

kelten Arm in Arm als ob Fastnachten war. So nun weißt

Du alter Freund so ziemlich alles. In etwa 4-6 Wochen

ist Eröffnung; wer es glaubt sagt der Kölner " kriegt

einen Thaler". Jetzt schreibe ich bald öfter, ich hoffe,

daß ich einmal Wort halten kann. Grüße Deine gute Frau

und Kind herzlich. Auch von Maria u. Lisbet und Du sei

nochmals besonders gegrüßt und umarmt von

der alten

Ey