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Johanna EyHomepage Herrn J.P.Schmilz Berlin W 15 Ludwigkirchplatz Nr. 7 Düsseldorf d. 3. April 1936
Mein lieber, lieber Krause!
Zuerst noch mal vielen Dank für Deine Glückwunschkarte. Ich wollte Dir sofort schreiben, doch es bleibt ja immer bei dem Wollen. Jacobo Sureda war in den letzten zwei Jahren in einem amerikanischen-spanischen Sanatorium bei Madrid. Seine innere Organe waren auch krank und wie er sah, daß keine Rettung mehr da war, ließ er sich nach Genova bringen, um das letzte zu versuchen, eine Operation und da ist er drin geblieben. Einige Stunden vor seinem Tode schrieb er mir am 6. Juni 1935» am 7ten ist er ge- storben und Elinor schickte mir am 8ten Juni mit ein paar trostlosen V/orten seine letzten Grüße. Jetzt vor 3 Jahren war ich da, da lag er in Montzerry bei Barcelona; ich wollte ihn überraschen und wußte nicht, daß er im Sana- torium lag; ich schrieb ihm, da kam er 2 Tage nach meiner Ankunft in Palma und holte mich mit seinem Wagen nach Genova und legte sich ändern Tages zu Bett. Genau nach 8 Tagen er wieder zurück nach seinem Sanatorium und ich habe ihn dann zum letzten Male gesehen. Er sagte mir damals, ich habe höchstens noch 2 bis 2 1/2 Jahre zu leben. Ich habe keine Angst vor dem Sterben, doch ich möchte einmal noch für 1 Jahr gesund sein. Hier in Düsseldorf ist noch immer dasselbe. Bei mir wird es immer noch erbärmlicher, so daß ich nicht weiß, was anfangen. Pudlich war soeben hier und hat 5 Bilder bei Vömel verkauft, keine große, und die Carnegie-Gesellschaft hat ihn eingeladen in Pittsburg auszustellen. In Essen, nicht in Düsseldorf ist die Ausstellung von der Westfront, sowie Düsseldorf eigentlich doch etwas rückständig gewor- den ist. Hans Busch ist jetzt wieder Mitarbeiter von Herrn Likmeyer und Beckmann macht sich ja auch bemerkbar, er bekommt Preise und Aufträge und wird wohl bald heiraten, da seine Braut aus Hamburg ja auch Anstellung hat. V/o steckt Willy Werth eigentlich? Ich habe ihn seit 1927 einmal gesehen. Bob Visser, der holländer Maler ich weiß nicht ob Du ihn kennst, geht nach Madrid seine Frau und Töchterchen nach Hamburg zu ihren Eltern. Das Geld scheint bei ihm knapp geworden zu sein. Wie geht es Dir, ich hoffe ganz bestimmt, daß Du mich einmal besuchst, wenn Du hierhin kommst, ebenso lade ich Deine Frau herzlichst ein und grüße sie freundlichst von mir; es hat mich überrascht, daß Du Feigler getroffen hast, aus dem wird man auch nicht klug. Grüße und alles alles Gute von Deiner alten Ey
Pintor Jean Paul Schmilz Roma Viale Villa Massimo Academia Tedesca Sonntag d. 28.2.1937
Mein lieber lieber Krause!
Wenn Du diesen Brief auch einen oder zwei Tage früher er- hältst, so soll mein Glückwunsch zu Deinem Geburtstage am nächsten Donnerstag um so herzlicher sein. Es ist doch unser gemeinsamer Geburtstag, Ich denke noch so oft an die Tage, wo Du morgens mit ein paar Brödchen bei mir Kaffee trankst. Für viele Künstler ist ja das Leben besser ge- worden, doch die schönen gemeinsamen Stunden mit netten, anständigen und geistreichen Menschen kommen für mich nie mehr wieder. Ein Wort ist die Wahrheit "Die Erinnerung, auch die Hoffnung ist das Paradies für einsame Menschen und dazu gehöre ich. Na stark im Willen bin ich ja noch und unterkriegen ist ganz ausgeschlossen, ich lebe weiter und bin jetzt wieder gesund. Ich habe "Herzverfettung" trotz meines armseligen Lebens und mein Wunsch ist noch immer "reisen". Alte und neue Bekannte besuchen mich doch noch und eine meiner Bekannten, die in München Ärztepraxis jetzt haben, wollen in 2-5 Jahren bei Rom in der Champange sich ein kleines Haus bauen lassen, 2 große Räume - und wenn ich noch etwas lebe, werde ich als erster Gast dort wohnen. Nach München wo ich noch nicht war komme ich auch diesen Sommer. Nun etwas anderes: Josef Pieper hat den Staats- preis bekommen und wird ab Oktober die Akademia de Teska besuchen. B.H.Hundt hat vor, sich anzuschließen. Pieper hat ja bekanntlich schon einige Preise bekommen und hat Bankconto. Also: Ich freute mich ja sehr wenn ich mal einen Brief von Dir bekäme. Deine Frau ist ja sicher auch dort bei Dir. Ich bitte sie freundlichst von mir zu grüßen. Wie denke ich so oft an den guten Jacobo. Ich kann ihn nicht vergessen, er war einer von meinen liebsten Freunden. Jetzt soll ja eine große Ausstellung hier steigen und der Fremdenverkehr wird groß sein. Es ist schade, daß ich nicht in der Altstadt wohne. Ruhe kann ich nicht auf die Dauer vertragen. Pankok war vorige Woche hier, ein Buch die "Passion" ist verboten und wirtschaftlich wird er sehr geschädigt. Nochmals lieber lieber alter Freund alles Gute für Dich und Deine Frau und vergiß nicht ganz Deine alte Ey
Pintor J. Paul Schmilz Olevano - Romano Italien Düsseldorf d. 3. 3. 1938
Mein lieber Krause!
Da jetzt bald unser beider Geburtstag heranrückt denke ich Dir eine kleine Freude zu machen, wenn ich an Dich denke und Dir alles Gute für Dein Leben wünschen möchte. Du bist ja wenigstens alle Sorgen etwas los, die meinen begleiten mich wohl bis ich in der Erde liege. Früher hatte ich ja mal viel, mal weniger Geld ich war immer zufrieden und nahm das Leben wie es kam. Doch heute muß ich sagen bin ich fast mutlos, weil ich doch des Kampfes um mein bißchen Leben mal müde werde. Doch ich stemme mich weiter gegen Alles das, was mich drückt; die schönen Erinnerungen und meine schönen Reisen bleiben mir. Nehmt doch beide das Leben wie es kommt, was ihr weg habt, kann Euch keiner nehmen. Wie schön muß es dort sein. Ich denke ja immer und immer wieder an Jacobo und an alle die alten Freunde. Sie alle sind für mich der Inbegriff meines Lebens geworden. Ich bin gerade am Schreiben, komisch, da liegt unter der Tür ( es klingelte ) ein Brief von Dir und Dr. Bau aus Hamburg u. Frau. Dein Brief schnell aufgemacht und wie immer, denkst auch an die alte EY, ach wie ich mich freute, die Spanien-Erinnerungen und wie Du schreibst. Abends beim Feuer, Morgens im Meere und Abends in der Fonda in El Arenal, wo der Bahnhofsvorsteher und die ein- fachen Leute sich freuten, wenn sie uns sahen und die Wirtin ihren Nationaltanz aufführte. Abends schlief ich in einem zweiten Nebenraum von Ullrich Leman auf einem hohen Bett, welches auf einem Dreigestell ruhte, wo ich auf einem Stuhl und noch mal eine Stufe hoch mußte, um ins Bett zu kommen und ich immer Angst hatte, unter der Bettschwere zusammenzufallen, bis ich nach 1 oder 2 Tagen glücklich war, wenn Sureda mich wieder zurückholte, um nach einigen
Tagen wieder zu verschwinden; dann fuhr ich nach Genovä zu Jupp Bell, o wie schön war es damals schon in den alten Jahren für mich. Ich war glücklich bei meinen jungen lieben Freunden, die mich Alte doch alle so sehr verehrten. Und jetzt ------? Ach schweigen wir darüber. Morgen am 4. März wird wohl Pudlich für einen Moment hereinkommen bringen mir ein Bildchen, doch dies ist mir kein Ersatz für alte Freundschaft und Anhänglichkeit. Es ist aber gut so. Mir machte es besonders Freude, wie mich Weihnachten Schumacher-Salig begrüßte er wollte dieses Frühjahr zur Ausstellung nach Paris. Macketanz besucht mich schon mal. Fastnachten war jeden Tag drei Wochen hier etwas los, ich hatte drei Einladungen "zum Karl" eine Künstlerkneipe, Wo es Freitags immer Betrieb ist, doch ich bin auch noch keinen Schritt gegangen, um jemand zu sehen; ja lieber Krause, ich bin alt geworden. Heute war jemand bei mir, der die Tage nach Italien für 2 Monate fährt, er wartet auf die Devisen. Frau Dr. Bau ist gestern Abend nach Dal- matien gefahren, Dr. Bau bleibt in Hamburg, er läßt seine Praxis noch nicht gerne allein, zudem muß die Wärterin mit dem kleinen Kinde zu Hause bleiben, der kleine Bau ist erst 7 oder 8 Monate, doch ein feines Kerlchen. Ist bei Euch noch keine Hoffnung??? Na Na Pitter Jansen war vor einem halben Jahr in Amerika ist aber nach einigen Monaten zurückgekommen und in Paris geblieben. Seine Frau hatte ihn dort besucht. Von Werth habe ich seit der Spanien- reise nicht gesehen, halt doch einmal am Bahnhof; er interessiert mich auch weiter nicht. Joseph Pieper soll in Italien sein, auch Werner Gilles. Manne Hundt will auch mal fort, ich weiß noch nicht wohin. Ich schreibe Dir in kurzer Zeit bestimmt einmal wieder, ich gehe bald auch einmal bei meinen Bekannten, dann höre ich sicher mal wieder etwas Interessantes und freue mich, wenn ich Dir wieder einmal aus der Heimat etwas berichten kann. Heimat ist Heimat, doch man weiß es nur, wenn man weit weg ist. Stimmt dieses nicht, lieber guter Krause, grüße Deine Frau herzlichst von mir und Dich wenn auch mit schwerem Herzen. Deine alte Ey
Herrn Maler J.P. Schmitz (Krause) Berlin W. 15 Ludwigkirchplatz 7 Montag d. 2. Dez. 1940
M. l. Krause!
Wie habe ich mich über Deine Karte gefreut! Daß Bastian dort war und Grüße mitschickte, war die Freude doppelt. Er gehört ja auch mit in den Klub Hindenburgwall und es waren für Euch alle fruchtbringende und anregende Stunden, wenn auch viel Quatsch dabei war; doch dieser gehört ja bei allen geistreichen Menschen; es sind wirklichfür mich Fest- tage, wenn ich den einen oder ändern mal wiedersehe. Dr. Bau aus Hamburg, ehemaliger Student an den städt. Krankenanstalten und seine Frau, die Kinderärztin ist, werden mich auch in acht Tagen besuchen. Dann erinnerst Du Dich noch eines Herrn F. Wohltat, der auf dem Hinden- burgwall Sonntags Morgens mich immer besuchte. Er war Bankmensch, ging für 2 Jahre nach Amerika gerade zu der Zeit, wo wir nach Mallorca fuhren und gab mir 5 Scheine jedes ein amerikanisches Phundt also etwas über 60 Mark für Zehrgeld unterwegs; ich schrieb ihm von Spanien nach Amerika, ich bekam verschiedene Ansichten von New-York, dann kam er bei A. H. unter nach Berlin an der Reichsregierung für ..... und Felle. Von da schrieb er mir noch einen Brief nach dem Hindenburg- wall und vor kurzer Zeit stand hier in den Nachrichten mit Bild, daß er Kommissar bei der Niederländischen Bank in Amsterdam ist. Ich habe mich so sehr darüber gefreut, daß ich nach einigen Tagen ein kleines Kärtchen im Couvert ihm schickte mit folgendem Inhalt: Sehr geehrter Herr Wohlthat! Ich freue mich in den Düsseldorfer Nachrichten ihr Bild zu finden und freue mich über Ihre Beförderung. Ergebenst grüßt Frau Ey vom Hindenburgwall, jetzt Stockkamp- str. 40 Nach 4 Tagen kam aus "Den Haag"ein Antwortschreiben: Sehr verehrte Frau Ey Ihr Gruß von 8. Juni d.J. hat mich außerordentlich erfreut, Ich hoffe, daß Sie sich wohlbefinden, sende Ihnen die herzlichsten Grüße und bleibe Ihr H. Wohlthat
Sa siehst Du l. Krause, je höher der Titel, desto einfacher und netter sind die Menschen, er war im Weltkriege Haupt- mann und Max Ernst war ein Künstler bei ihm. Er sah damals Bilder von Max Ernst im Fenster und dadurch kam er in den Laden und freute sich immer, wenn ich von den Künstlern redete. So teilt sich das Ende meines Lehens noch immer in Freude und Überraschungen und die halten mich wirklich noch immer aufrecht. Daß ich sehr krank war blieb ja auf die Dauer nicht aus. Die Nerven versagten manchmal. Na es wird schon weiter gehen. In der Zeitung sah ich dieser Tage die Todes- anzeige von Heinrich Nauen, der ist auch seelisch zu Grunde gegangen, dann die Frau von Perfall, im Tode heißt es immer Meine innigstgeliebte Erau, dabei hat dieser Lümmel jeden Tag eine Freundin im Atelier. Das sind die Richtigen. So mein I.Krause nun möchte ich so gern doch mal ein Foto von Deiner Erau haben, ich kann mich leider nicht erinnern, ihr habt doch sicher Aufnahmen in Italien oder Griechenland gemacht. Bitte mach mir die Freude. Nun weiß ich wirklich nichts mehr, ich erlebe hier ja nichts und dieses sind so Kleinigkeiten die Dich sicher auch Freude machen, d.h. nicht die Todesanzeigen. Otto Pankok schickte mir eine Todesanzeige von seinem alten Herrn, den ich ja früher auch schon mal öfter besucht habe. Also grüße alle die, die ich kenne und die Du wiedersiehst in Berlin vor allem Hans Busch der auch wirklich einer von den anständigsten ist; und dann vergiß nicht Deine Frau und Du besonders von Deiner alten Ey
Herrn Maler I. P. Schmilz Wieladingen-Friedborn über Säckingen / Oberrhein Düsseldorf den 19. April 1941
Mein lieber Krause!
Ich habe mich sehr gefreut, heute Morgen den kurzen Brief zu erhalten mit Deiner neuen Adresse. Ja Du hast recht, am Geburtstage habe ich den ganzen Tag an Dich gedacht, doch weiß der Kukuk, ich bin ewig krank, es sind die Nerven und bin nur gesund, wenn ich jemand um mich habe. Hier verliert sich selten ein Mensch und ich bin auch noch nie zufrieden hier Stockkampstraße gewesen. Ich bin sicher sehr bescheiden wenn es sein muß, kann das Geld aber auch los- werden, wenn ich es habe, doch ein bescheidenes Unterkom- men in der Altstadt wäre ich glücklich, doch das Umziehen mit all diesem Plunder bin ich auch nicht mehr gewachsen. Ja das frühere Leben war für mich ein Paradies und jetzt bin ich wie Adam und Eva ausgewiesen, trotzdem ich nicht gesündigt habe; es bleibt mir nur die Erinnerung. Wie schön, wenn Du Morgens Brödchen einholtest und der gute Kaffee stand fertig mit den nötigen Cigaretten, später kamen die anderen Freunde, Mittags Willy Werth mit seinem Nasenbohren u.s.w. Ich glaube alle alle erinnern sich noch der Zeiten - K.Kyser - Wollheim —Heckroth - Hundt - Pankok sprach vor einigen Wochen, wie er mich besuchte, er kommt vielleicht zweimal im Jahr, Ey die schönsten und frucht- barsten Zeiten für alle Maler waren unstreitig am Hinden- burgwall und Du kannst sicher sein, lieber Krause, sie werden unvergeßlich bleiben für alle. Heinz Wever, der Einzige der immer schreibt, ist von Frankreich im Weitermarsch nach Ser- bien, er ist Oberleutnant und wird demnächst Hauptmann, Pieper und Pudlich sind anscheinend die Favoriten, die Ausstellungen überall im Osten machen und die noch nicht zum Akademie-Prof. kommen können. Prof. Nauen und Prof. Dr. Albrecht, früher Akademie auch abgebaut waren sind vor 14 Tagen gestorben. Stocke's Mutter ist auch vor einigen Monaten begraben worden. Hundt malt im Sauerland andauernd Portrait wie ich hörte. Die Flieger besuchen uns sehr fleißig hier: ich bleibe im Bett, höre schießen und Bomben fallen und schlafe wieder ein. Alles wird man gewohnt, sagt der Fuchs, da zogen sie ihm das Fell über die Ohren; alles geht seinen Weg. Du hast schöne Reisen hinter Dir mit Deiner Frau, lieber Krause und darüber sei froh. Was Du weg hast, kann Dir keiner nehmen; auch meine Spanien- und Pariser Reise sind meine gute Erinnerungen, wie glücklich, daß ich mir dieselben damals nahm. Was ich in Zukunft aber meine Pläne sind, schreibe ich Dir im nächsten Briefe, nur eins plagt mich, daß ich mich nicht mehr so gut fortbewegen kann! Ischias im Rücken und in den Hüften, schlimm ist es. Grüße herzlich Deine Gattin, die ich jetzt auch im Foto habe, doch lieber sehe ich sie bald selbst; sie kommt doch auch sicher einmal nach Düsseldorf und dann erwarte ich. sie auch selber mal zu sehen. Ich bleibe lieber Krause wie immer Deine alte Ey
Herrn Abs. Ey J. P. Schmilz z. Z. Lübeck Friedborn über Säckingen bei Schneider Oberrhein Johannisstr. 42 Poststempel: 8.11.41
M. l. J. P. Schmilz.
Ich war sehr krank und bin bis am 17. d. Mts. hier in Lübeck. Wenn ich in Düsseldorf bin, schreibe ich langen Brief. Deine Frau grüße ich auch herzlichst. Curt Beckmann liegt hier in Lübeck bei den Soldaten. Ich habe ihm Deine Adresse gegeben, hoffentlich schreibt er Dir. Ich grüße Dich und Deine Frau herzlichst Ey
An den Maler Jean Paul Schmilz Wieladingen (Hochrhein) über Säckingen Poststempel: 31.12.42
M. l. guter Jean Paul Krause!
Herzlichst Dir und Deiner Frau alles Gute u. Liebe für das Jahr 1942. Deine Karte aus Pfirt hat mich sehr gefreut. Seid Ihr Beide noch in Wieladingen? Schreibe Deine genaue Adr. und ich schreibe Dir langen Brief. Deine alte Ey
Herrn J.P. Schmitz Abs. Ey b. Schneider Lehrgang Schlucht in Reinbek Post Stossweier D. Hamburg - Reinbek (Elsass) Hamburgerstr. 41
Reinbek b. Hamburg, Hamburgerstr. 41, 8.8. 43
Mein lieber Krause!
Deinen Brief erhielt ich gestern und stelle fest, daß der Angriff auf Düsseldorf nicht am 10. auf 11. Juni, sondern von Freitags auf Samstag also vom 11. auf 12. Juni Nachts um 1 Uhr stattfand. Nun ein weiterer Bericht von Hamburg. Auf Hamburg war früher schon einige Bombenabwürfe, doch der Großangriff auf Hamburg setzte am 24. auf 25. Juli Nachts um 1 Uhr ein, dauerte 2 Stunden, andern Tags gegen Mittag auf Altona, dann am Montag wieder auf Hamburg und Mittwochs wieder auf Hamburg und vergangenen Sonntag der letzte 5te Angriff auf Hamburg. Hamburg ist wie Düsseldorf nur noch ein Trümmerhaufen. Dr. Bau aus Hamburg war vor dem letzten Hauptangriff, also nach dem 4ten Angriff hier, er hatte in Bergedorf zu tun; ihm standen die Tränen in Augen, es sei unbeschreiblich dort. Eine Millionenstadt, die 3t größte im Reich 5mal so groß wie Düsseldorf. Die zigtausende von Leichen sind sofort in Massengräbern zu bestatten, über den Straßen lagen sie mehr wie auf dem Schlachtfelde, wurden auf Wagen geladen und abtransportiert, ohne daß gefragt wurde, wer es sei, weil bei der übergroßen Hitze Seuchengefahr bestand. Hamburg ohne Wasser und Licht. Hier nach Reinbek setzte eine Karawane von Obdachlosen ein, die hier nach diesen 4 ersten Schreckensnächten flohen und wurden hier verpflegt und geborgen in einem Krankenhause hier, in Scheunen, in Ställen bei Privatleuten und überall, wo sich Platz fand. Bei dem letzten Angriff, wo hier in Reinbek auch eine Bombe fiel, nahmen sehr viele wieder Reisaus nach dem Lübecker und Holsteiner Gegend, von Ham- burg kamen in den ersten Tagen tausende Wagen mit Obdach- losen und geborgenes Bettzeug, Kinderwagen, Leiterwagen, Schiebkarren mit müden und Leid auf den Gesichtern stehenden Frauen und Kindern, Eine Frau, die hier ankam, hatte noch ein todtes Kind im Arm; ein Mann, den ich sprach kam müde und gebückt und seine Frau und beiden Kinder waren nicht mehr aus dem Keller gekommen. So kann man tausende hören, es ist dasselbe wie in Düsseldorf, nur in größeren Formen, selbst Soldaten, die vor dem Feind gestanden haben, sagen, hier die Bevölkerung macht mehr durch. Daß ich nun nichts von Werth gehört habe, ist zu begreifen, denn er hat mir, seit der Spanienreise nie mehr geschrieben somit interessiert es mich wenig, daß ich es Dir schreiben muß. Manne Hundt hat in Mülheim a. d. Ruhr sein Haus verloren, sein Atelier in Düsseldorf ist beschädigt, seine Mutter ist vergangenes Jahr gestorben, sie wurde 85 Jahre alt und er selbst lebt in "Herscheid b. Klettenberg Wäsche No. 1 H. B. Hundt Robert Pudlich verlor auch in Düsseldorf alles, bei den ersten Angriffen sein Atelier, er lebt mit Ma in Vömels Besitztum und verlor bei dem Hauptangriff auf Düsseldorf sein ganzes Werk über 500 Zeichnungen, Aquarelle und Bilder, die er bei Vömel im Keller hatte. Die ganze Königsallee in Düsseldorf ist doch auch weg. Pudlichs Adresse ist R. Pudlich Schloß Liberny über Eupen Karl Kyser schreibt mir noch immer, ich bin doch seine alte Liebe, der arme Kerl ist augenblicklich in einem Krankenhause zur Beobachtung seines Gehirns! In den ersten Tagen erwarte ich einen Brief von ihm. Er hat eine liebe Frau, die für ihn sorgt und ein entzückendes Kind Eva, die Ostern mit zur ersten Kommunion ging, er ist ganz glücklich über das Kind; der beste Schauspieler von der Louise Dumont, alle haben ein tragisches Geschick. Sind wir nicht alle Figuren im Theater des Lebens. Schreibe ihm doch einmal einen netten Brief, erwähne nichts von seiner Krankheit und schreibe ihm. Du hättest von mir die Adresse. Karl Kyser Wien Werderthorgasse 17 Dann daß Heinz Tapper vor 1 1/2 Jahren gestorben ist, hatte ich Dir ja wohl geschrieben und Peter Ludwig ist auch vor 2 Monaten gestorben. So mein Lieber nun weißt Du im Augenblicke wieder alles, es fällt mir im Augenblicke nichts mehr ein, Du kannst mir öfter mal schreiben, es braucht ja nicht immer am 4ten März zu sein. Übrigens hoffe ich dann meinen SOsten Geburtstage noch zu erleben, doch nicht im Kriegs- jahre, der dann wohl zu Ende sein wird. Ich möchte doch gerne meine alte Heimat wiedersehen. Mein lieber Krause, bleibe gesund und hoffen wir das Beste. Du bist im schönsten Mannesalter und kannst wieder anfangen, es wird wohl auch mal wieder anders und nochmals, hoffen wir auf ein gutes Ende des Krieges bald. Deine alte Ey
Herrn Maler Abs. Fr. Johanna Ey Jean P. Schmitz b. Schneider Leimen No.32 Reinbek b. Hamburg Ober-Elsaß Hamburgerstr. 41
Reinbek b. Hamburg d. 14. 12. 43
Mein lieber Krause!
Gestern Montag überraschte mich Dein Geldgeschenk und daß ich Dir herzlich danke, tue ich gerne, weil ich von der Stadt Düsseldorf bis jetzt noch nichts bekommen habe, vielleicht überrascht die mich auch vor Weihnachten, Ich habe an die Bildstelle für Düsseldorf geschrieben, die soll ein Dr. Liesegang haben', ein Sohn von dem Maler Prof. Liesegang. Der Dr. Liesegang kennt mich von früher und war während der großen Ausstellung 1924 verschiedene Male bei mir auf dem Hindenburgwall mit den verschiedenen Professoren und dem Direktor von der Universität Münster, die sich sehr für das Wollheimbild interessierten. „Ein Stück Festland verläßt unter wehender Flagge den Raum von Omega" ein Krankenbildniß unsteter Krankheit u.s.w.. Der Universitäts- professor meinte, es solle in Schulen als Abstoßigkeit und Warnung den höheren Schülern gezeigt werden und die Stadt Düsseldorf beschlagnahmte dasselbe, daß es nicht 300000 gesitteten Jünglingen gezeigt wurde oder die es nicht sehen durften, es war doch damals eine aufregende, unvergeßliche und lehrreiche Zeit auf dem Hindenburgwall. Gebe Gott, ich könnte sie noch einmal erleben. Sei froh, daß Du auch mit Deiner Frau schöne Reisen gemacht hast, was Du fort hast, hast Du erlebt, das schöne Spanien, das unkultivierte, urwüchsige und dazu Jacobo, der tolle Spanier, Gott gebe ihm die Seligkeit, er war ein feiner Kerl, überkultivirt und gut; dann G. Woll- heim - Bell und alee sollen todt sein und wir sollen sie nicht mehr sehen? Mir wird es sehr weh ums Herz, wenn ich daran denke, keinen soll ich wiedersehen. Von Karl Kyser erhielt ich heute wieder einen Brief, er ist ein armer lieber Kerl, ein großer Schauspieler und heute schrieb er mir ein paar Zeilen, daß seine Hände ihm sehr schmerzen und bittet mich in jedem Brief, ihm doch immer wieder von den Malern zu schreiben; er korrespondiert immer noch mit Otto Pankok, nach Schmitz fragt er immer wieder. Magst Du ihm nicht mal schreiben: K. Kyser Wien I, Werder- torgasse 17, II. Stock; er ist doch ein armer Kerl, der auch nicht dafür kann. Sag mein l. Krause, ist dies Deine Adresse von Deinem Hause oder wo steckst Du? Grüße Deine gute Ehefrau und Tochter Beate, ich freue mich auch, daß sie zufriedener in ihrem neuen Heim sind. Ja Du Guter, bald werde ich 80 und Du 40 Jahre, ich werde bei Zeiten daran denken und wenn wir Frieden hätten und noch gesund sind, wäre ich glücklich; ich bin ja hier bei Maria gut aufgehoben, doch "nach der Heimat möcht ich wieder" und mal wieder alle wiedersehen. Gute gesunde Weihnachten, kommt gut ins neue Jahr und dann sehen wir uns auch mal wieder. Herzlich bin ich immer und nochmals dankt Eure alte Ey ( die verdammte Feder) das Papier ist so schlecht.
Herrn Abs. Ey bei Schneider Jean Paul Schmilz Reinbek b. Hamburg Grenzaufsichtsstelle Hamburgerstr. 41 Oberlarg bei Pfirt Ober-Elsaß
Reinbek d. 19. Februar 1944
M. l. lieber Krause!
Um das dieser Brief wirklich zeitig bei Dir ankommt, fange ich heute an, Dir au Deinem 40. Geburtstage am 4. März meine herzlichsten und besten Wünsche für Dein späteres Leben darzubringen. Ich wünsche Dir, mein bester Freund, was Du alles Dir am liebsten wünschest, zuerst mal, daß Du Deinen 8O.sten Geburtstage, den ich hoffe zu erleben, ein besserer Wille und Lust hast, also alles Liebe und Gute für Dich und die Deinen. Ja was soll ich Dir schreiben hier von Reinbek; ich sitze hier den gan- zen Tag auf meinem Zimmer und erlebe nichts. Schwere Tage sind dies für mich in meinem Alter. Mir wird immer gesagt, ich solle doch froh sein, daß ich es in meinem Alter noch so gut hätte; es stimmt ja, doch wenn ich mich innerlich so darnach sehne, alle meine alten Be- kannte und Freunde noch mal zu sehen oder doch bald mal wieder zu sehen, so ist dies doch eine natürliche Wunsch und man denkt und denkt, was gewesen ist und war und an alle die guten Menschen und Freunde denkt dann wird es einer alten Frau doch schwer, sich in allem zu fügen, doch das Muß ist ja eine harte Nuß. Ich war ein paar Tage krank, erkältet. Husten und hatte keine Courage mehr, doch jetzt scheint die Sonne wieder, es wechselt eben alles. Bis jetzt läuft meine Sache am Kriegsschaden auch noch immer und heute Morgen bekam ich einen Brief von meinem Hauswirt, Stockkampstr., daß noch immer nichts ausbezahlt wird. Wenn ich es nicht so nötig hätte, möchte ich etwas sagen, wie "Götz von Berlichingen", man muß ja wie ein Bettler fast bitten, Stadtbeamten, Du weißt ja, wie ich die ins Herz geschlossen habe, wenn ich schon den Namen Stadt oder Staatsbeamter höre, wird es mir übel, doch je höher der Beamte ist, desto feinere Kerls sind darunter, nur bekommt man jetzt als Bombengeschädigte nicht damit zu tun. Was hatte ich doch früher feine Menschen bei mir und jetzt hat man alles eingebüßt, steht man als Bittsteller da und als Bettler, oh wäre ich doch noch 25 Jahre jünger, wie gehörte mir noch die Welt. Lisbet aus Düsseldorf schreibt auch immer so trostlos und wünscht immer, ach wärest Du noch in Düsseldorf, jetzt weiß ich erst, ein zu Hause zu haben; doch wir können alle nichts daran ändern. Von den Künstlern höre ich wenig. Manne Hundt hat sich wieder verheiratet mit einer 20 jährigen Fabrikantentochter aus Pierscheid, ich glaube ich schrieb es Dir schon mal, er ist sehr viel mit Haupt- mann Heinrich Wevers zusammen, der wegen Reuma's jetzt auch in Herscheid ist, die Einzigen unter den vielen, die mir noch schreiben, auch Hans Busch, der an der Front ist und Curt Beckmann, der in Niendorf bei Hamburg wohnt, seine Frau ist ja jetzt dort Ärztin; dann Dr. Bau's schreiben mir auch noch, seine Praxis in Altona ist abgebrannt und jetzt ist er in Russland an der Front, Arzte brauchen sie ja jetzt dort überall. Na jetzt Schluß mit Schreiben, nach meinem Geburtstag schreibe ich Dir ausführlich. Alles Liebe und Gute für Alle und Dich besonders von Deiner alten Freundin Johanna Ey
Herrn Kunstmaler Johanna Ey Jean Paul Schmilz Düsseldorf Schwörstadt a. Oberrhein Flingerstr. 10-12
Düsseldorf d. 14. März 1947
Mein lieber Jean Paul
oder am liebsten Krause! Ja Du lieber treuer Freund, Du hast lange warten müssen, ich wäre beinahe zu St. Petrus empor gestiegen, doch der hat vergebens gewartet. Ich hatte vor Weihnachten die Pankok Ausstellung und die franz. Ausstellung besucht und habe mir eine Grippe dort geholt, so daß jeden Tag Dr. Marzahn kommen mußte und jetzt bin ich wieder da. Zu meinem Geburtstage war ich so weit, daß ich nicht anders konnte, als Besuche annehmen. Die Stadt hat sich besonders nobel gezeigt. Außer einer Ehrenrente, so lange ich lebe bekam ich so viele Besuche, daß meine kl. Woh- nung, aus 1 Zimmer bestehend u. Maria's Zimmer die Gäste alle kaum sitzen konnten. Das Schönste war die Rheinbahn - Kapelle 18 Musiker spielten vor der Hausthür "Das ist der Tag des Herrn“. Die "Elektrischen Bahnen konnten nicht mehr fahren und im Augenblicke staute hatten sich tausende vor der Haustüre aufgestellt. Wie die Altstädter sind, waren fast alle am Weinen; dann wurde eine große Rede gehalten von dem Vorsteher der Rheinbahngesellschaft, dann das Lied vom "alten Schloßturm" und alle alle schun- kelten Arm in Arm als ob Fastnachten war. So nun weißt Du alter Freund so ziemlich alles. In etwa 4-6 Wochen ist Eröffnung; wer es glaubt sagt der Kölner " kriegt einen Thaler". Jetzt schreibe ich bald öfter, ich hoffe, daß ich einmal Wort halten kann. Grüße Deine gute Frau und Kind herzlich. Auch von Maria u. Lisbet und Du sei nochmals besonders gegrüßt und umarmt von der alten Ey |
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